
Der Mühlbach-Radweg mitten durch die Augsburger Innenstadt ist um diese Zeit fast leer, und genau da kommt die Push-Nachricht meiner Bank: Lastschrift Digistore24, 3.200,00 Euro. Zeile 24 in meiner Tabelle 'Heilung_Invest_2023_2026.xlsx' bekommt damit ihren Eintrag – Power of Love, Fernstudium, Heiler Ausbildung, großes Versprechen. Genau die Kombination, bei der ich als Controllerin seit 18 Jahren bei einem Automobilzulieferer in Augsburg misstrauisch werde, denn Marketing-Versprechen haben eine schlechte Fehlerquote. Trotzdem bremse ich nicht ab, sondern rechne nach, ob sich diese Ausbildung wirklich lohnt – und ob der günstigere Kurs vom selben Anbieter nicht die bessere Wahl gewesen wäre.
Transparenz-Hinweis vorab: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Buchst du über einen davon, bekomme ich eine Provision – ohne Aufpreis für dich. Ich empfehle nur Ausbildungen, die ich selbst bezahlt und mit meiner Postkarten-Methode ausgewertet habe (die Methode selbst erkläre ich ausführlich an anderer Stelle, hier geht es um den direkten Vergleich zweier Kurse). Weil Power of Love und A Touch of Aloha beide von Thomas Young stammen, steht das gleich hier am Anfang und nicht erst im Kleingedruckten. Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin, sondern diejenige, die rechnet: Bei Investitionen über 1.000 Euro prüfst du die Vertragsbedingungen bitte selbst, und bei psychischen Belastungen ist der erste Weg immer zur Hausärztin oder zum approbierten Psychotherapeuten, nicht zu einem Online-Kurs.
Der Trugschluss beim Fernstudium: Zwei Kurse vergleichen heißt nicht automatisch Risiko streuen
Die meisten stellen sich einen Vergleich wie zwei unabhängige Wetten vor: Kurs A gegen Kurs B, und man wählt den besseren. Bei Power of Love und A Touch of Aloha stimmt das nur zur Hälfte. Beide stammen von Thomas Young, der seit über 20 Jahren als Bestsellerautor am Markt ist – ein Stabilitätsfaktor, den ich aus dem Controlling heraus durchaus zu schätzen weiß. Wer sich für eine der beiden Ausbildungen entscheidet, wählt aber nicht zwischen zwei unabhängigen Optionen, sondern verdoppelt im Zweifel eine einzige Wette auf einen einzigen Anbieter. In den gut drei Jahren, in denen ich solche Ausbildungen teste, ist mir dieser Denkfehler öfter begegnet, als mir lieb ist.
Bevor überhaupt eine Postkarte in meiner Blechdose lag, hatte ich andere Dinge probiert, die nicht getragen haben. Nordic-Walking zum Beispiel, auf ärztlichen Rat verordnet – drei Monate durchgehalten, dann kam der Herbstregen, und ich bin nie wieder hingegangen. Eine Nachbarin von mir bereitet sich gerade auf den Volkslauf beim Augsburger Stadtmarathon vor und fragt mich, warum ich mein Geld lieber in Gruppenzoom-Stunden stecke als in Laufschuhe. Jedem seine Kostenstelle.

Was unterscheidet Power of Love wirklich von A Touch of Aloha?
A Touch of Aloha ging am 12. Februar 2026 live, der erste Jahrgang startete erst am 19. April 2026 – zu dem Zeitpunkt, an dem ich das hier schreibe, gibt es dort schlicht noch keinen abgeschlossenen Durchgang, an dem sich etwas messen ließe. Genau deshalb steht A Touch of Aloha in meiner Tabelle noch auf 'Testing', während bei Power of Love längst ein Urteil steht. Das Programm kostet 2.865 Euro, gut 335 Euro weniger als Power of Love, und die Popularity-Kennzahl liegt bei nur 11 Prozent – das Produkt läuft noch nicht auf Volumen. Die Refund-Rate von 4,37 Prozent liegt sogar minimal unter den 4,67 Prozent von Power of Love. Wer jetzt vorschnell zum günstigeren Preis greift, verwechselt einen niedrigeren Einstiegspreis mit einem geringeren Risiko, und genau das ist der zweite Teil des Trugschlusses von oben.
Ob sich eine dieser beiden Ausbildungen steuerlich als Fortbildung deklarieren lässt, ist eine andere Rechnung, die ich an anderer Stelle im Detail aufmache, in meinem Artikel Spirituelle Seminare steuerlich absetzen. Hier zählt erst mal nur der Vergleich der beiden Programme selbst.
Formate, Refund-Raten und die Postkarten-Bilanz
Power of Love ist reines Fernstudium: Videomaterial plus neun Stunden Gruppenzoom pro Monat, verteilt auf zwölf Module zu je 266,67 Euro. Wie sich das grundsätzlich mit einem Vollzeitjob verträgt, ist eine eigene Rechnung, die ich in einem separaten Artikel zum Zeitaufwand bei spirituellen Ausbildungen durchgehe. Von den zwölf Modulen haben es bei mir sechs auf eine Postkarte in die Blechdose geschafft. Die anderen sechs waren angenehm, aber ohne messbare Wirkung im Alltag, und genau die sind es, die nach sechs Wochen wieder aus der Tabelle geflogen sind.
Wer selbst prüfen will, woran man einen seriösen Anbieter erkennt, bevor der Rabatt überhaupt eine Rolle spielt, findet dafür meine Checkliste für seriöse Anbieter. Dass an der Energiearbeit selbst etwas dran ist, habe ich bei einer Aura-Scan-Übung gemerkt, als die Hand meiner Übungspartnerin plötzlich über meiner linken Schulter innehielt, ohne dass ich vorher ein Wort über die Verspannung dort verloren hatte. Genau an solchen Momenten kapituliere ich als Controllerin: Ich kann das nicht in eine Kennzahl pressen, aber ignorieren kann ich es auch nicht.

Trotz Klumpenrisiko bei Power of Love bleiben
Trotz der 3.200 Euro hat Power of Love eine Substanz, die mir bei etlichen günstigeren Wochenendseminaren gefehlt hat. Es ist eine Investition in die eigene Belastbarkeit im Großraumbüro-Alltag, nicht in ein Wohlfühl-Wochenende. Mehr zu den einzelnen Modulen und dazu, was bei mir wirklich hängengeblieben ist, steht in meinem Power of Love Test – dort gehe ich tiefer rein, als es in einem reinen Vergleich sinnvoll wäre, auch zu der Frage, wie ich mit der Vendor-Bindung an Thomas Young umgehe.
Wer sich für die hawaiianische Huna-Lehre und den schamanischen Weg mehr interessiert als für die Herzfeld-Arbeit, findet in A Touch of Aloha die spannendere Option, auch wenn der Status in meiner Tabelle noch auf 'Testing' steht, weil der erste Jahrgang gerade erst begonnen hat. Vorkenntnisse verlangt keiner der beiden Kurse; was ganz allgemein an Vorwissen bei energetischen Ausbildungen sinnvoll ist, habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
Fazit: Eine Regel für den nächsten Kursvergleich
Die Regel, die ich aus dieser Gegenüberstellung mitnehme: Bei zwei Kursen desselben Anbieters zählt zuerst der Track-Record – Kursstart, abgeschlossene Jahrgänge, Refund-Rate –, und erst danach der Preis. Ein niedrigerer Einstiegspreis ist kein Beleg für geringeres Risiko. Power of Love hat bei mir einen abgeschlossenen Jahrgang, sechs Postkarten in der Blechdose und eine Refund-Rate im grünen Bereich – das reicht mir für ein Urteil. Bei A Touch of Aloha fehlt dieser Track-Record noch, auch wenn Ratenzahlung und der niedrigere Einstiegspreis die Hürde senken.
Wer nach einem Burnout oder in einer ähnlichen Lebensphase über eine dieser Ausbildungen nachdenkt, sollte eines nicht vergessen: Das hier ersetzt keine Psychotherapie. Es kann unterstützen, mehr nicht, und bei mir hat es das getan. Emil wartet schon an der Tür, und ich klappe jetzt den Laptop zu.