
Sechs von 23 Kursen in meiner Tabelle haben die Postkarten-Probe nach sechs Wochen überstanden. Zwei davon liefen komplett online, einer komplett in Präsenz, der Rest als Mischform aus beidem. Genau diese Verteilung beantwortet die Frage, die mir Anfänger am häufigsten stellen: Lohnt sich ein Wochenende in einer gemieteten Turnhalle mehr als eine schamanische Ausbildung für Anfänger im direkten Vergleich zur Online-Ausbildung? Kurze Antwort: Es kommt weniger auf das Format an als auf das, was zwischen den Modulen passiert – die lange Antwort braucht ein paar Zahlen.
Nach meinem Burnout im Herbst 2022 blieb die klassische Verhaltenstherapie meine erste Anlaufstelle, aber sie hat mich nur bis zu einem gewissen Punkt getragen. Was ich vorher schon probiert hatte, war das Online-Stressbewältigungsprogramm meiner Krankenkasse – Modul drei liegt bis heute als offener Tab in meinem Browser, nie fertig geklickt. Seit Anfang 2023 habe ich über sechstausend Euro in spirituelle Weiterbildung investiert, verteilt auf Präsenz-Wochenenden und Online-Programme gleichermaßen.
Die Präsenz-Wochenenden: Trommelkreis, Rückenschmerzen und eine Postkarte, die leer blieb
Mein erstes Präsenzwochenende fand im Januar 2023 statt, ein Einsteigerseminar zum Thema Schamanismus mit sechzehn Stunden Programm auf zwei Tage verteilt. Seminargebühr 450 Euro, dazu 180 Euro für zwei Übernachtungen und Verpflegung – in meiner Tabelle verbucht als Fortbildungskosten, wobei das Finanzamt das vermutlich anders einordnen würde.
Bei der Aura-Scan-Übung am Samstagnachmittag hielt die Hand meiner Partnerin plötzlich über meiner linken Schulter inne, als würde sie dort auf eine unsichtbare Wand treffen. In der Mittagspause davor hatte ich Natascha Ullrich kennengelernt, eine Krankenpflegerin aus Kempten, die im selben Einsteigerwochenende saß. Sie bucht seitdem deutlich häufiger und spontaner Kurse als ich und hält meinen Stundenpreis-Vergleich eher für zweitrangig – aus ihrer pflegerischen Perspektive zählt vor allem, ob sich eine Übung im Alltag mit echten Menschen wiederholen lässt, nicht was sie pro Stunde kostet.
Rechne ich Seminargebühr und Übernachtung gegen die sechzehn Stunden, komme ich auf einen niedrigen zweistelligen Betrag pro Stunde – den genauen Rechenweg für so einen Vergleich führe ich an anderer Stelle ausführlicher vor. Trotzdem blieb die Postkarte für dieses Wochenende sechs Wochen später fast leer. Die Energie im Trommelkreis war real, aber sie hat den Sprung zurück ins Büro in Augsburg nicht überlebt.

Was bringt eine Online-Ausbildung, wenn niemand zuschaut?
a-touch-of-aloha war der Anbieter, bei dem ich mich für ein komplett online laufendes Format entschieden habe, nachdem das Krankenkassen-Programm im Sande verlaufen war. Der Preisrahmen für so eine Ausbildung liegt üblicherweise zwischen 2.500 und 3.500 Euro für sechs bis zwölf Monate, verteilt auf strukturierte Video-Module statt auf ein einzelnes Wochenende.
Mitten in Modul sechs schickte mir meine Freundin Dorle Maier einen Link zu einem kritischen Zeitungsartikel über einen anderen Online-Anbieter – Anlass genug, noch mal nachzuschauen, wer eigentlich hinter a-touch-of-aloha steht. Bei Anbietern, die mehrere Marken parallel fahren, gehört die Vendor-Beziehung für mich in die ersten Absätze eines Reviews, aber hier gibt es keine Überschneidung mit dem Schwarzwald-Veranstalter.
Bis Woche 12 der Ausbildung hatte sich mein Alltag längst verschoben: Module höre ich inzwischen unterwegs, auf den Gehwegen im Stadtbachviertel in der Augsburger Innenstadt, wenn ich mit Emil draußen bin, statt fest am Schreibtisch zu sitzen. Diese Verschiebung – von der festen Zoom-Zeit zur beliebigen Tageszeit – war der eigentliche Unterschied zum Präsenzformat, nicht die Qualität der Inhalte an sich.
Ob man sich stattdessen zwischen einer schamanischen und einer Aura-Reading-Ausbildung entscheiden sollte, ist noch mal eine andere Rechnung, die ich hier nicht aufmache. Auch ob ein Format überhaupt Vorkenntnisse verlangt, ist bei Einsteigerangeboten höchst unterschiedlich geregelt. Wie viele Wochenstunden ein Online-Programm realistisch frisst, hängt stark vom Anbieter ab und wäre einen eigenen Vergleich wert. Kriterien, an denen man Qualität schon vor der Anmeldung erkennt, hab ich mir längst zu einer eigenen Checkliste zusammengeschrieben.
Sechs von 23 Kursen haben die Postkarten-Probe bestanden
Die Blechdose mit den bestandenen Karten steht im Regal, und der Deckel knirscht mittlerweile beim Öffnen, weil ich ihn so oft hochklappe. Sechs Karten liegen drin, siebzehn andere sind im Müll gelandet – das sind über viertausend Euro reines Lehrgeld, grob gerechnet.
Einen ähnlich strukturierten Online-Ansatz habe ich schon einmal ausführlicher in meinem Heiler Ausbildung Fernstudium Vergleich: Power of Love & Aloha unter der Lupe auseinandergenommen, falls dich der Stundenpreis-Vergleich zwischen mehreren Anbietern genauer interessiert. Für die reine Formatfrage – online oder Präsenz – zählt am Ende weniger der Anbietername als die Frage, ob jemand den Lehrplan tatsächlich durchdacht hat oder nur eine Wochenendstimmung verkauft.
Fazit der Controllerin: Format ist zweitrangig, Struktur zählt
Für Anfänger lautet meine Zwischenbilanz so: Präsenz gibt dir die Gruppenenergie und ein Wochenende, das sich real anfühlt, aber sie verlangt, dass du die Übertragung in den Alltag selbst organisierst. Online-Formate wie a-touch-of-aloha zwingen dich zu Eigendisziplin, liefern dafür aber häufig die klarere Didaktik, weil sie ohne charismatische Bühnenpräsenz auskommen müssen. Die eine Zahl, die ich jedem Einsteiger mitgebe: Frag vor der Anmeldung nach der Betreuung zwischen den Modulen, nicht nach der Stimmung im Seminarraum – daran entscheidet sich, ob deine Postkarte in sechs Wochen noch etwas draufstehen hat.
Ich bin keine Heilpraktikerin und keine Therapeutin, und meine Tabelle ersetzt kein ärztliches Gutachten. Bei anhaltenden psychischen Belastungen gehört der erste Weg zum Hausarzt oder zu einer approbierten Psychotherapeutin, nicht zu einem Wochenendseminar. Aber wenn es um die reine Formatfrage geht – online oder Präsenz –, dann lohnt sich der Blick auf die eigene Tabelle, egal ob die Zeilen im Schwarzwald oder auf dem heimischen Sofa entstanden sind.